Expeditionsprofi Volker Lapp zu Besuch im Unterholz: Die Ausrüstungsfavoriten eines Mannes, der weiß, worauf es ankommt.

Ausrüstungsentwickler, Tausendsassa und Expeditions-Profi – das ist Volker Lapp. Was hätte auch sonst aus einem werden sollen, der schon als Dreijähriger seine Teddybären in Waschlappen („das waren Schlafsäcke“) verpackte, mit Unimog-Modellen die Sandkästen unsicher machte und kaum, dass er laufen konnte, mit zur Jagd gehen wollte?

 

GEAR Check Volker Lapp


Über Volkers Besuch bei mir habe ich mich sehr gefreut. Herausgekommen ist unter anderem diese ausführliche Vorstellung seiner Ausrüstungsfavoriten.



1 Ich trage gerne 65/35-Hosen (Anm. d. Red.: „65/35“ beschreibt dasGewebeverhältnis Polyester zu Baumwolle) mit Beintaschen von Fjällräven oder, wenn es bequem sein darf, eine einfache Faserpelz-Hose mit Taschen. Auf Reisen ist auch eine wasserdichte Überhose dabei. Die drei Hosen lassen sich beliebig kombinieren.

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2 Jahrelang habe ich auch eine Faserpelz-Jacke von Helly Hansen getragen. Seit kurzem habe ich eine Woll-Jacke von Engel, die ebenfalls toll ist. Die von mir entwickelte Highland-Jacke aus silikonisiertem deutschen Loden hat bei tagelangem Dauerregen und Schneegestöber in den schottischen Highlands die dortigen Berufsjäger ziemlich überrascht: Trotz der Anstrengungen beim Pirschen war die Jacke frei von Kondenswasser. Und von außen kam dank doppelt gelegter „Problembereiche“ auch nichts durch. Unten ist die Jacke etwas weiter geschnitten, um an Holster, Gürteltaschen oder die Taschen einer darunter getragenen Jacke zu kommen. Der Kragen schließt hoch, das Steppfutter ist leicht auszippbar. Membran-Gewebe hat für manche Bereiche seine Berechtigung, bei der Bekleidung komme ich jedoch besser ohne aus.

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3 Wenn ich einen robusten Schuh brauche, gibt es für mich nur meine Lundhags-Stiefel ohne Innenfutter oder eingenähte Membran. Bis zum Knöchel bestehen die Schuhe aus Kunststoff und sind komplett wasserdicht. Darüber befindet sich einlagiges Leder. Wenn es warm ist, ziehe ich ein Paar Socken an. Ist es kühler, ziehe ich zwei Paar Socken (Faserpelz und Wolle) übereinander an.


4 Als Regen- und Wasserschutz dienen mir ein breitkrempiger Hut und Gamaschen. Beide sind von Outdoor Research. Der Hut ist mit Gore-Tex verarbeitet. Dort ergibt das Membran-Gewebe, wie auch bei Schlafsackhüllen, Sinn für mich.

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5 An der linken Hand trage ich eine Rolex Submariner. Seitdem ich das Vorgänger-Modell vor vielen Jahren beim Toben mit meinem Hund im Wasser verloren habe, trage ich sie aber nur noch mit NATO-Armband: Bricht ein Steg, gibt es immer noch den zweiten.


6 Rechts habe ich einen Silva-Armband-Kompass (Anm. d. Red.: wird in dieser Form heute nicht mehr hergestellt.).


7 In einer Gürteltasche habe ich mein Leatherman Charge TTi. Ohne das geht nichts. Ich habe zwei davon, falls eines kaputt oder verloren geht. Nur mit den ganz feinen Schraubendrehern wusste ich zunächst nichts anzufangen. Bis einem Kumpel, der unsere Kanu-Tour in Alaska fotografisch dokumentieren wollte, sein wertvolles Objektiv ins Wasser gefallen ist. Wir haben es bei nächster Gelegenheit komplett auseinandergenommen und getrocknet.


8 Dieser Nachbau einer US-Kampftasche von Eagle Industries begleitet mich überall hin. Sie ist extrem robust und wurde von mir teilweise erweitert. Außen, in separaten Taschen und Holstern untergebracht, hängen zum Beispiel ein Messer, eine Klappsäge und eine Stirnlampe.

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9 Eines der wichtigsten Dinge ist mein Kochgeschirr. Um eine originale Kunststoff-Flasche der US-Armee ist mein System aufgebaut: Die Flasche steht in einem nierenförmigen Becher aus Edelstahl. Da sind schon weit über tausend Liter Tee drin gemacht worden. Flasche und Becher passen genau in den Plastiknapf, der eigentlich dafür gedacht ist, Hunde zu tränken. So einen Napf habe ich nie wieder gesehen (Anm. d. Red.: sehr selten, „Thirsty-Dog-Canteen“). Das Ganze kommt in einen Metalltopf der Bundeswehr, in dem ich auch koche, und dann noch in eine Militärtasche.


10 Die ledernen Arbeitshandschuhe und mein Insektenschutzmittel sind in dem Netzfach an der Vorderseite der nachgebauten Kampf-Tasche untergebracht. Das Insektenschutzmittel ist ein echt giftiges Zeug, bei dem ich US-amerikanische und neuseeländische Mittel gemischt habe (Anm. d. Red.: u.a. Airosol Insect Repellent Typ IIA).


11 In der Kampftasche finden sich ein paar Meter Reepschnur und Paracord.


12 Ebenso sind dort zwei wasserdichte Beutel mit Rollverschluss untergebracht. Im ersten Beutel sind Kabelbinder, Gewebeband, Metallsägeblätter, Bohrer, zwei komplette Leatherman-Bit-Sätze, eine Dose mit Utensilien zum Feuermachen und Nähzeug. Ich verwende gewachstes Segelgarn, damit nähe ich alles. Dazu kommt ein gesinterter Diamantschleifstein von Eze-Lap (Pocket Stone Model 26) und – ganz wichtig – Öl zum Schleifen, Ballistol-Öl und Maggi. Im zweiten Beutel sind ein Erste-Hilfe-Set, einige Teebeutel und Kakaopulver (Chococino von Nestlé – „das schmeckt auch nur mit Wasser zubereitet richtig gut.“) untergebracht.

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13 Ich habe ein finnisches Marttiini mit Kautschuk-Griff, ein Gerber Hunter, das einen sehr komfortablen Griff besitzt und das ich deshalb gerne fürs Versorgen des Wilds nehme, und ein Buck Paklite.


14 Eine Klappsäge mit Wechselblättern habe ich immer an meiner Tasche. Das Modell, das ich seit langem nutze, ist von Gerber, Made in USA. Zusammen mit der Machete kann ich alles erledigen, was draußen anfällt. Will ich nicht auffallen, was meistens der Fall ist, nehme ich die Säge. Für die ganz harten Fälle liegt im Auto noch eine Stihl-Motorsäge.


15 Auch bei Lampen gilt für mich – je einfacher und solider, desto besser. Mit meiner Fenix PD22 und meiner Stirnlampe von Spark habe ich gute Erfahrungen gemacht. Das einzige, was bei der Spark fehlt, ist ein Rotlicht-Filter. Ich möchte draußen so unsichtbar wie möglich sein.


16 Das 8×20-Monokular von Zeiss mag ich besonders gerne. Ich habe es immer und überall dabei.


17 Seit Langem bin ich Land-Rover-Fan und fahre ein 110er Hardtop mit 2,4-Liter-Vierzylinder-Diesel von Ford sowie Sechsgang-Getriebe. Außen ist der 110er zwar groß, innen jedoch ziemlich klein. Deshalb freuen sich Land-Rover-Fahrer auch immer über gutes Wetter – da kann man den Arm raushängen lassen. Der Wagen kam praktisch nackt und wurde von mir fast komplett umgebaut. Um den Raum gut nutzen zu können, habe ich mir unter anderem konturgeschweißte Aluminium-Kisten fertigen lassen. Sie sind mit jeweils vier Schrauben an der Fahrzeugwand verschraubt und schnell wieder ausgebaut. Darin untergebracht sind Werkzeuge und Lebensmittelvorräte für mich und meinen Hund. Innen, auf der Motorhaube und an den Außenseiten gibt es Befestigungsmöglichkeiten für Wasservorräte: Von Wasserkanistern halte ich nichts, deshalb benutze ich gerne Schweizer Militär-Wassersäcke, die ich mit Industrie-Wasserhähnen und Stutzen aus dem Gartenbereich aufgerüstet habe. Das Fahrwerk ist von Taubenreuther (ARB). Hinten habe ich eine Lara-Croft-Stoßstange, vorne eine Warn-Seilwinde 9,5ti. Oben drauf ist ein angepasstes Hubdach, in dem zwei Personen Platz haben. Gefahren wird auf Mud-Terrain-Reifen 255/85 R16 von Goodrich. Das Reserve-Rad hängt an einem separaten Edelstahlhalter. Zum Schutz vor Rost – der Land Rover ist ja doch ziemlich anfällig dafür – ist das komplette Fahrzeug mit Mike-Sanders-Korrosionsschutzfett behandelt. Das wird auf 120 Grad erhitzt und überall eingespritzt. Dann kriecht es in jede Ecke und bildet beim Abkühlen eine feste Schicht. Wenn das Auto in der Sonne steht und heiß wird, verflüssigt sich das Fett auch ein wenig und kriecht weiter. Dabei sind auch zwei Trockenbatterien, ein DEFA-Vorwärmgerät und meine Luftstandheizung. Im leichten und geländegängigen Expeditionstrailer (Typ 300) lässt es sich aushalten.

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18 Meine Machete ist immer im Auto. 35 Jahre habe ich sie schon. Sie wurde damals von Puma hergestellt. Bei Wolf Borger habe ich den billigen Plastikgriff gegen einen unverwüstlichen Micarta-Griff austauschen lassen. Die Lederscheide dafür habe ich selbst genäht. Der nicht-rostfreie Stahl, den Puma damals verwendet hat, ist bestens geeignet. Nur den Schliff habe ich grundlegend auf ballig ändern lassen. Mit Beilen habe ich nichts am Hut – sie sind zu schwer und zu laut, und bauen will ich mir auch nichts draußen.


19 Als Jäger hatte ich natürlich immer Hunde. Auf 90 Prozent meiner Touren ist mein Hund dabei. Mein aktueller heißt Duck und ist ein Deutsch-Drahthaar. Mein Gott, war der wild am Anfang! Hunde sind auch für die persönliche Sicherheit sehr wichtig. Noch nie hatte ich Ärger mit Bären. Und auch einige unerfreuliche Begegnungen mit Menschen konnte das Kommando „Aufpassen“ entschärfen. Je länger man mit dem Hund abseits der Zivilisation unterwegs ist, desto größer wird der Schutzraum, den er zieht.

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20 Überall, wo ich jagen darf, habe ich meine Bockbüchsflinte von Blaser, Modell BBF 95 mit übereinander liegendem Kugel- und Flintenlauf, dabei. Dazu kommt ein kurzer Einstecklauf von Krieghoff. Die Zieloptik ist bei mir immer von Zeiss. Meine Blaser-Gewehre sind schwarz brüniert, das Schaftsystem aus Kunststoff habe ich mitentwickelt. Es ist stabil, pflegeleicht und angenehm zu greifen.


21 28 Zentimeter misst die Öffnung des wasserdichten Kunststoff-Containers Hermetic Carrier, den ich entwickelt habe. Er kann wie ein Tragegestell-Rucksack getragen werden. Alternativ kann er im Boot, auf dem Autodach oder wo auch immer befestigt werden. Selbst die „Test-Bären“ im Frankfurter Zoo bekamen ihn nicht klein.


22 Seit 30 Jahren benutze ich dasselbe Zelt-Modell: das Starlight von Jack Wolfskin. Meine Mitstreiter lachen immer, wenn ich damit ankomme, aber für mich ist es genau richtig. Klar fliegt es weg, wenn ein Sturm kommt, aber ich kann es ja geschützt aufstellen. Alles, was man braucht, sind vier Heringe, der Boden, das Zeltgestänge und darüber das Innenzelt, das als Moskitoschutz dient. In warmen Nächten steht dem Blick in den Himmel nichts entgegen.Wenn es regnet, spanne ich die reguläre Zeltplane darüber und ziehe die Gore-Tex-Hülle über den Schlafsack. Für Wärme sorgen die Isomatte und der Schlafsack von Vaude.

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Mehr über Volker Lapp und die von ihm entwickelten Ausrüstungsgegenstände auf www.volker-lapp.de und www.tc-outdoor-concept.de.

 

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