High-Tech vs. Low-Tech: Das neue „MSR Windboiler Personal“-System gegen Spottpreis-Spiritus-Kocher im Eigenbau.

Zugegeben: Es scheint ein unfairer Vergleich zu sein. Da soll ein aus zwei alten Getränkedosen gebastelter Spirituskocher gegen den neuesten Gaskocher des Profiausstatters MSR mit Strahlungsbrenner, Wärmetauscher und perfekt angepasstem Kochtopf antreten.

IMG_3590

Und tatsächlich, so viel sei vorweggenommen: Der MSR Windboiler ist bei diesem Vergleich unschlagbar, wenn es um die reine Zeit geht, in der er Wasser zum sprudelnden Kochen bringt.
IMG_3595

Für 0,3 Liter kaltes Leitungswasser brauchte er bei Außentemperaturen um die Minus 2 Grad Celsius und leichtem Wind nicht mal zwei Minuten. Die beiden selbst gebauten Alkohol-Kocher kämpften sich in je gut zehn Minuten bis zum Teewasser durch.

IMG_3600

Also alles klar? Nicht ganz. Denn trotz ihrer Langsamkeit haben Alkoholkocher Vorteile. Da wäre zunächst mal der Preis: Das MSR-Set hat eine UVP von EUR 129,95, auch wenn er online etwas günstiger zu haben ist. Derzeit etwa bei www.walkonthewildside.eu. Darin enthalten sind der Brenner (198 g), Topf & Deckel (216 g), ein Becher (32 g) und ein aufklappbarer Kartuschenfuß (16 g). Dazu kommt eine Gaskartusche, die fast 400 Gramm wiegt und weitere sechs Euro kostet.

Also in dieser Hinsicht kann der Alkoholkocher nun wirklich nicht mithalten. Er ist deutlich günstiger: Die Dosen kosten praktisch nichts, die Anleitung zum Bau findet man auf YouTube, im aktuellen SURVIVAL MAGAZIN (www.wieland-verlag.com) und bald auch hier. Auch der Brennspiritus kostet lediglich zwei bis drei Euro pro Liter – damit kommt man eine Weile hin. Was man sich noch kaufen muss, ist ein Trinkbecher. Alles in allem vielleicht 20 Euro.

24

IMG_4644

Vorteile hat der einfache Dosenkocher auch beim Packmaß: Im Trinkbecher/Topf bekommt man gleich zwei Brenner, einen improvisierten Topfständer und 100 Milliliter Brennspiritus unter.

IMG_3606

IMG_3607

Fazit: Der MSR Kocher ist viel schneller und deutlich komfortabler zu bedienen. Hier hat man vom Kochtopf bis zum Windschutz alles inklusive. Zu einem relativ hohen Preis – und ebensolchem Packvolumen sowie Gewicht. Und wer es etwa versäumt hat, sich vor einer längeren Wegstrecke mit den passenden Gaskartuschen einzudecken, den erwischt es unter Umständen „kalt“.

Die Alkoholkocher hingegen sind spottbillig und extrem handlich. Auch verlässlich sind sie. Wenn man nicht gerade mit den Stiefeln darauf rumtrampelt, halten sie ewig. Es ist jedoch schon ein „Rumgefummel“, bis sie laufen. Man muss den Alkohol einfüllen, das Ganze richtig aufheizen (sog. „primen“, bis der verdampfte Alkohol zündet und aus den Brennerdüsen austritt), aufpassen, dass man nichts verschüttet und der Topf richtig sitzt… Zudem dauert es deutlich länger.

Wer also genug Platz im Gepäck hat und seinen Kakao oder Tee am liebsten direkt nach Auftreten der ersten Gelüste trinkt, hat praktisch keine andere Wahl und „muss“ den Systemkocher nehmen. Alle anderen können es gerne zunächst mal mit den Dosenkochern probieren.

Sicherheitshinweise:
Generell ist bei allen Kochern Vorsicht angesagt. Bei Spiritus-Dosenkochern ist es besonders wichtig, dass man sie nicht umkippt, da sich dann der brennende Alkohol verteilt.
Weder die Unterlage noch Gegenstände in Reichweite der Hitze sollte entflammbar sein. Kein Betrieb im Zelt!
Während des Brennvorgangs schüttet man keinen Alkohol nach. Lieber zu Beginn etwas mehr Alkohol einfüllen und überschüssigen Alkohol nach dem Brennen wieder in die Flasche füllen. Die Flammen lassen sich mit einem Deckel aus Alufolie ersticken.
Die Dose kühlt zwar recht schnell ab, sie wird jedoch, wie auch der Topfständer, zunächst sehr heiß. Zudem sind die Alkoholdampf-Flammen bei Helligkeit nicht besonders gut sichtbar.
Um einer Verwechslung mit Wasser vorzubeugen, sollte man das Spiritus-Transportbehältnis besonders kennzeichnen.
Eigenbaukocher sollten vor einer Tour ausgiebig getestet werden. Nur so bekommt man ein Gespür für den besten Ablauf, die benötigte Spiritusmenge und erkennt kleinere Macken rechtzeitig.

FacebookTwitterGoogle+PinterestEmailTumblrLinkedInWhatsAppWordPressShare