Sicher ans Ziel – der Umgang mit Kompass und Karte

IMMER ORIENTIERT

GPS- und Navigeräte sind eine tolle Sache. Doch nur wer den Umgang mit Karte und Kompass beherrscht, ist wirklich unabhängig.

Kompass und Karte – braucht man das denn heute noch, wo die Smartphones alle GPS „können“ und Google Maps nur einen Click entfernt ist? GPS ist eine tolle Sache. Dabei kann man mitdenken, man muss es jedoch nicht. Doch was passiert, wenn der Empfang gestört ist, der Akku leer oder das Gerät defekt? Besser man weiß dann, wo man sich befindet und in welche Richtung man will. Deshalb schadet es nichts, die Grundkenntnisse im Kartenlesen und der Orientierung per Kompass zu beherrschen. (Am Ende des Beitrags finden Sie in Form einer Bildergalerie die Zusammenfassung der folgenden Inhalte.)

Am besten lernt man den Umgang mit Karte und Kompass durch praktische Anwendung. Das kann richtig Spaß machen – und oft entdeckt man mit gutem Kartenmaterial Routen oder Sehenswürdigkeiten, an denen man sonst vorbeigezogen wäre. Ist man zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs, sind topografische Karten im Maßstab 1:25000 eine gute Wahl. Plant man längere Mehrtagestouren, sollte man an die Anschlusskarten denken.


Kleine Kompasskunde


Eine Karte ist zwangsläufig eine verkleinerte Darstellung der Natur, die auch noch auf eine zweidimensionale Ebene gebracht wird. Topografische Karten jedoch geben trotz ihrer Zweidimensionalität die Form der Erdoberfläche mit hoher Genauigkeit wieder: Bei großen Maßstäben (1:25.000 ist größer als 1:100.000) erkennt man Hügel und Berge und wie hoch und steil diese sind, Flusstäler, Häuseransammlungen, Wälder, Straßen und sogar Trampelpfade und Gebäudeumrisse. Flussnamen gibt es auch, Straßennamen jedoch nicht. Der Maßstab gibt das Verkleinerungsverhältnis an, in dem die Landschaft auf der Karte abgebildet wird. Anhand der Maßstabsangabe lassen sich also Distanzen auf der Karte in reale Distanzen umrechnen. Bei 1:25000 entspricht ein Zentimeter auf der Karte 25000 Zentimetern (250 m) im Gelände. Vier Zentimeter auf so einer Karte sind also ein Kilometer in der Natur, weshalb man auch von einer 4-Zentimeter-Karte spricht. Bei einer Karte im Maßstab 1:50000 sind zwei Zentimeter auf der Karte 100000 Zentimeter in der Natur (2-Zentimeter-Karte). Eine amtliche topografische Karte im Maßstab 1:25000, wie sie in den Bildbeispielen benutzt wird, zeigt ungefähr einen Landschaftsausschnitt von 130 Quadratkilometern. Nur exakte Koordinatenangaben, wie man sie zum Beispiel in topografischen Karten findet, ermöglichen eine genaue Orientierung und sichere Navigation. Die dort verwendete Kartennetzabbildung ist winkeltreu: Winkel in der Karte entsprechen also den Winkeln in der Natur.


UTM Koordinatensystem


Am Kartenrand werden sowohl die geografischen Koordinaten als auch die UTM-Koordinaten angegeben. Das UTM-Koordinatensystem (Universale Transversale Mercator) wird zum Beispiel von Bundeswehr, Feuerwehr, Polizei und Rettungskräften verwendet, auch Google Maps/Earth sind weltweit darauf umstellbar. Fast alle GPS-Geräte zeigen auch die UTM-Koordinaten an. Mit Hilfe einer topografischen Karte und der Kenntnis der geografischen oder UTM-Koordinaten kann man also exakt bestimmen, wo man ist und so auch im Notfall Hilfe holen. Doch was, wenn man zwar über eine gute Karte, aber nicht über einen exakten Koordinatenpunkt verfügt? Dann muss man sich selber helfen. Zum Beispiel mit einem Abgleich mit der Karte und dem Einsatz von Hilfsmitteln wie Kompass, Höhenmesser, Schrittzähler und Messrad.

Ein erster Schritt zur Orientierung ist das sogenannte Einnorden. Dabei wird die topografische Karte, deren Oberkante und UTM-Gitter stets nach Norden zeigen, entsprechend der Himmelsrichtung ausgerichtet. Dazu legt man den Kompass an das Kartengitter an und dreht beides so lange, bis die Magnetnadel und das „Nordgitter“ parallel ausgerichtet sind. Hier geht’s also nach Norden. Zur Bestimmung des eigenen Standorts benötigt man – bestenfalls – nahegelegene Bezugspunkte, die auch in der Karte aufgeführt sind. Ein großer Maßstab, der auch Gebäude oder charakteristische Geländeformen wie Senken und Bachschlaufen anzeigt, zahlt sich also aus. Auch weiter entfernte Objekte lassen sich zur Bestimmung des eigenen Standpunkts nutzen. Man nimmt also zwei markante Objekte, sucht diese in der Karte und richtet diese dann so aus, dass die Real- und Kartenbezugspunkte vom eigenen Standpunkt aus auf einer Linie liegen. Der Schnittpunkt der beiden Verbindungslinien zeigt den eigenen Standpunkt an.


Einnorden


Kennt man erst mal den eigenen Standpunkt, lässt sich die Marschroute mit einer einfachen Technik und mit Hilfe der Karte festlegen. Die Marschroute oder Marschzahl ist eine Winkelangabe: Gemessen wird dabei der Winkel zwischen der Nordrichtung und der Zielrichtung (ausgehend von der Nordrichtung im Uhrzeigersinn). Geht man direkt nach Osten, beträgt die Marschzahl 90 Grad, direkt nach Westen sind es 270 Grad. Bewährt hat sich die „1-2-3“-Methode, die vielen Kompassen auch als Anleitung beiliegt. Schritt 1: Man legt den Kompass so auf die Karte, dass entweder die rechte oder die linke Anlegekante den eigenen Standort mit dem Ziel verbindet. Schritt 2: Man dreht die Kompasskapsel mit dem Nordmarker und der Skala so, dass sie in Karten-Nordrichtung zeigen. Dabei kann man sich am Koordinatengitter orientieren oder am seitlichen Rand der Karte.Schritt 3: Nun nimmt man den Kompass auf Augenhöhe, hält ihn waagerecht und dreht den Körper so lange, bis – das meist rot markierte – Nordende der Nadel deckungsgleich mit der Nordmarke der Kompassskala liegt. Der auf der Grundplatte oder dem Spiegel angezeigte Marschrichtungspfeil (Kimme und Korn) zeigt jetzt exakt in Richtung des Marschziels. Jetzt muss man nur noch einen markanten Punkt im Gelände anvisieren, der in dieser Richtung liegt, und sich dorthin aufmachen. Verstellen Sie den Kompass nicht, und suchen Sie sich danach, durch Wiederholen von Schritt 3, neue Etappenziele – so lange, bis Sie ihr Ziel erreicht haben.


Marschzahl bestimmen


Wer gutes Kartenmaterial hat, es versteht und mit dem Kompass umgehen kann, findet sich überall zurecht und muss nicht nur mit- und hinterherlaufen. Probieren Sie es!


Unterstützt hat mich bei diesem Bericht, der im GEAR Magazin 2011 abgedruckt wurde, das Landesamt für Vermessung und Geoinformation in München, dem wir auch für die Genehmigung des Abdrucks der Kartenauszüge (ATK25, Bayerische Vermessungsverwaltung 2010) danken. Für Informationen zu den aktuellen Projekten der Vermessungsverwaltung, den Online-Diensten und Bestellungen empfehlen wir einen Besuch auf der Homepage www.geodaten.bayern.de oder der Vermessungsverwaltung Ihres Bundeslandes (www.adv-online.de). Das aktuelle Programm des Wieland Verlags finden Sie auf www.wieland-verlag.com.

FacebookTwitterGoogle+PinterestEmailTumblrLinkedInWhatsAppWordPressShare